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Reiseberichte

Reise nach Andalusien im Februar/März 2010

Ende Februar wurde eine Fahrt nach Südspanien durchgeführt, um unsere Tierheime vor Ort besuchen zu können.

So wurden am Mittwoch, den 24. 02 2010, erst einmal alle Sachspenden im Schwarzwald, in Geisingen, im Markgräflerland bei Freiburg i. Br. und am Donnerstag in Gernsbach, Pirmasens und bei Wiesbaden eingesammelt. Aus der Schweiz kamen dann an einem Rastplatz nochmals viele tolle Sachen dazu.
Zusätzlich konnten wir auch durch eingegangene Geldspenden Futter aus dem Tiercenter in Freiburg besorgen. Auch von dort bekamen wir noch einige Spenden dazu.
Mit über 1000 Kilo Hundefutter, ca. 200 Kilo Katzenfutter, Medikamenten, Decken, Hundehütten, Katzenkratzbäumen, Tragetaschen für Hunde und Katzen und vielen anderen nützlichen Accessoires konnte unsere Reise mit einem Transporter, der bis unters Dach gefüllt war mit Sachspenden und leeren Hundeboxen, dann starten.

Nach einer Nacht in Barcelona ging die Fahrt weiter zu Ellinor nach Calpe, wo wir herzlich aufgenommen wurden. Schon bald durften wir viele neue Hunde kennen lernen. In Ellinors Haus leben derzeit ca. 60 Hunde, die alle auf eine Chance warten.
So wurden viele Bilder gemacht und die Hunde stichwortartig aufgeschrieben, damit wir später an die Texte schreiben konnten.
Wir durften bei Ellinor übernachten und hatten nette Gespräche in ihrem Haus und beim gemeinsamen Abendessen.

So kamen wir letztendlich am Sonntag, den 28. 02. 2010 in Linares an, wo ein Teil der Spenden ausgeladen wurde: Futter, Decken, Medikamente und vier stabile Hundehütten.
Im Haus von Tina und Mariano, dem ersten Vorsitzenden der Tierschutzorganisation Arconatura, wurden wir herzlich willkommen geheißen und wir konnten auch einen der zuständigen Tierärzte dort kennen lernen, der für die Versorgung der Hunde zuständig ist.
Auch Carmen und viele fleißige Hände warteten schon und halfen uns tatkräftig beim Ausladen der Spenden.

Am Montag ging es dann direkt ins Tierheim nach Linares, um vor Ort die Hunde alle kennen zu lernen. Was uns erwartete waren ca. 150 Hunde auf einer Fläche von ca. 450 m2, die uns alle freudig begrüßten.
Die Hunde sind sehr lieb, sozial und man hat nie genug Hände, um alle streicheln zu können. Einige wenige (meist Neuzugänge) waren noch ein wenig verstört und versuchten uns eher aus dem Weg zu gehen.
Wenn die Betreuer vom Tierheim vor Ort sind, dürfen alle Hunde frei herum springen und es wuselt nur so um einen herum.

Von den Eindrücken fast erschlagen haben wir dann auch wieder Tina, Carmen, Lola, und viele andere Helfer getroffen, die uns alle sehr herzlich begrüßt haben.
Wir erfuhren, dass das Tierheim auf dem Gelände, das inmitten eines Olivenhains und einer dicht befahrenden Strasse liegt, nur geduldet ist.
Darum ist die Tierschutzorganisation bestrebt, endlich ein eigenes sichereres Gelände zu bekommen, wo nicht mehr nur alles improvisiert werden muss, sondern man auch stabilere Gebäude aufstellen kann. In Anbetracht der schweren Stürme im Herbst und Frühjahr ist das auch absolut notwendig.

Am Dienstag den 02. 03. 2010 ging es dann nach Jaén. Dort haben wir uns mit Ruth getroffen, die uns zuerst einmal in die dortige Perrera begleitet hat.
Diese Tötungsstation ist relativ sauber aber sehr zugig und schlecht isoliert. Der Mitarbeiter vor Ort erwies sich als geduldig und hat sich nicht in den Vordergrund gedrängt. So konnten wir alles in Ruhe betrachten und viele Hunde sehen, die dort eingesperrt sind.
Mariana, die erste Vorsitzende der Tierschutzorganisation ABYDA, hat mit den Betreibern der Perrera ausgemacht, dass sie immer informiert wird, bevor ein Hund getötet werden soll und sie versucht immer alles, um dieses Leben zu retten. So konnte sie schon viele Hunde befreien, wenn sie einen Platz in ihrem Tierheim frei hatte.

Leider funktioniert genau das nicht in vielen Tötungsstationen in Spanien (z. B. auch in Linares ist keine Möglichkeit gegeben, zu erfahren, wann und wieviele getötet werden), denn die Perreras möchten häufig nicht mit den Tierschützern vor Ort zusammenarbeiten.

Nach der Perrera ging es zur Katzenstation in Jaén. Dabei handelt es sich um einen angemieteten Raum von ca. 80 m2, wo derzeit ca. 50 Katzen leben. Isabel kümmert sich dort jeden Tag liebevoll um die Stubentiger, die alle einen sehr freundlichen Eindruck auf uns hinterlassen haben.
Einige der Miezen befinden sich auch auf der Seite vom TSV-Europa.

Weiter ging die Fahrt zur Hundestation, wohin uns auch Mariana und Ruth begleiteten: Dort wurden wir vom Gebell zwischen den Betonwänden fast erschlagen, denn das Tierheim befindet sich im Industriegebiet in Jaén und sieht eher wie ein halbüberdachter Hinterhof aus.
Die Hunde leben hier sehr beengt und dort muss dringend etwas passieren, damit die Hunde mehr Licht und vor allem Platz bekommen.
Wie auch in Linares geht es dabei natürlich um das Geld, denn ein neues Tierheim ist sehr teuer. Derzeit zahlt der Verein Miete für die Katzen – und auch die Hundestation, denn sie haben noch kein eigenes Gelände, was aber dringend notwendig wäre.
Während eines Essens konnten wir uns in Ruhe mit Ruth, Mariana und Carmen unterhalten.

Auch in Jaén hatten wir die Gelegenheit mit der dortigen Tierärztin zu sprechen, die einen sehr netten und kompetenten Eindruck macht.
Nach einer Kastration konnten wir auch sehen, dass tatsächlich der gesamte Uterus und die Eierstöcke einer Galga seitlich entfernt wurden.

Am Mittwoch schließlich konnten wir uns in Malaga mit Pilar treffen, nachdem wir Juergen vom Flughafen abgeholt hatten.
- Pilar ist unsere Kontaktperson für Jaén und auch für eine Tierschutzgruppe in Zaragoza. Außerdem hat Pilar ein großes Wissen, was den Tierschutz in Spanien angeht und sie konnte uns viele gute Informationen liefern.

Am Donnerstag haben wir uns dann noch einmal in Linares mit Tina, Mariano, Carmen, Lola und ein paar anderen getroffen. Diesmal konnte sich auch Juergen das Tierheim zu Gemüte führen. Bei einem gemeinsamen Essen, das unsere Spanier für uns ausgerichtet haben, konnten wir dann noch einmal ausgiebig über alles sprechen.
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte es ein schweres Gewitter in Linares gegeben und einige der Hunde hatten sich in der Aufregung und dem Stress gebissen. Ein paar der Hunde mussten in die Tierklinik gebracht und tierärztlich versorgt werden.
Überall auf dem lehmigen Boden stand das Wasser und man konnte sich gut vorstellen, wie die Hunde und auch Menschen in dem Tierheim unter den schweren Regenfällen der letzten Wochen und Monate zu leiden hatten.
Es muss unbedingt begonnen werden ein neues, stabileres Tierheim zu bauen, das den Stürmen besser trotzen kann.

Schließlich stand noch das Tierheim in Andújar an. Dazu haben wir uns mit Alberto getroffen.
Sein eigentliches Tierasyl ist derzeit für die Hunde nicht bewohnbar, denn es war durch die schweren Überschwemmungen durch das Wasser aber auch den mitgeführten Schlamm unbrauchbar geworden.
In allerletzter Minute konnte Alberto seine Hunde aus den Fluten retten und sie in einer höher gelegenen Notunterkunft unterbringen, die aber alles andere als in Ordnung ist, denn die Tiere leben auch hier auf engstem Raum zusammen.

Nachdem wir zwei Gassirunden mit Albertos Hunden gedreht hatten und vor allem Karin viele schöne Bilder machen konnte, sind wir wieder abgefahren.

Am nächsten Tag startete der Transport in Jaén und lief weiter nach Linares, um alle Hunde einzusammeln.
Die letzten Hunde wurden bei Tarragona dazu geladen und weiter ging es nach Deutschland, wo alle Hunde von den Adoptanten und den Pflegefamilien abgeholt wurden.

Insgesamt sind wir bestärkt worden, den Tierheimen in Spanien auch weiterhin zu helfen und wer diese Aufopferung der Zwei- für die Vierbeiner gesehen hat, ist ganz bestimmt derselben Meinung.

Es muss noch schrecklich viel getan werden – also packen wir es an und freuen uns über jede Unterstützung auch anderer Tierfreunde.

Ute Hübner



Reisebericht über Nordkroatien:

Vor etwa eineinhalb Monaten haben wir durch den TSV-Europa vom „Asyl Dubravica“ und Alexandra erfahren. Schnell waren wir in Kontakt und seit dem stellen wir die armen Seelen auf unserer Homepage vor, in der Hoffnung, dass sich ein schöner Lebensplatz für diese Tiere findet.

Zu Alexandra:

Sie ist ursprünglich eine Deutsche, die ihren jetzigen Mann vor 15 Jahren in Deutschland kennen gelernt hat und mit ihm in seine Heimat gezogen ist. Sie haben einen Sohn. Sie wohnt ca. 20min vom Asyl entfernt und hat vor erst 2 Monaten durch einen Zufall davon erfahren. Seit dem lässt sie das Elend dieser Tiere nicht mehr los und setzt in Bewegung was geht. Wer selber eine Familie hat, weiss, dass man sich manchmal vierteilen müsste, um alles zu schaffen…und trotzdem: Es muss einfach etwas geschehen!

Der Tierschutzverein, in dem sie Mitglied ist, hat momentan erst 6 Mitglieder… Die Hunde, welche im Asyl sitzen, „gehören“ einem Tierarzt, der jährlich viel Geld vom Staat kassiert, aber leider nichts unternimmt, um den Tieren ein artgerechteres Leben zu ermöglichen. Deswegen versucht der Mini-Verein, die Hunde so schnell wie möglich an gute Personen zu vermitteln. In Kroatien, wie auch nach Deutschland, Österreich und eben in die Schweiz.

Zum Asyl:

Unter dem Begriff Asyl kann man sich zwei alte Schweineställe mit kleinen Fenstern und geringem Licht vorstellen.

Die Boxen sind knappe 2 x 2 m gross. Im unteren Stall besteht der Boden aus nacktem Beton. Bei einigen ist eine Hundehütte drin. Der obere Stall wird gerade gefliest. Grösser wurden die Boxen dadurch aber nicht...
Es scheint ein wenig heller durch die weissen Fliesen und es ist besser zu reinigen, wenn es dann mal gemacht wird. Die Hunde kommen 2-3 Mal in der Woche ein paar Minuten raus, ansonsten sind sie immer drin! Einmal im Tag gibt’s anscheinend hässliches Trockenfutter, denn als wir ankamen, war bei vielen Hunden immer noch was im Napf…

Da es leider an allem (mehr freiwillige Helfer, Geld, Hilfe des Besitzers) fehlt, ist auch die Reinigung sehr mangelhaft / ungenügend. Die Hunde haben durch das Stehen im eigenen Urin und Kot gereizte und schmerzende Pfoten.

Als wir vorfuhren und das Heulen der Hunde hörten, lief uns allen einen kalten Schauer über den Rücken.

Als wir den Stall betraten, kamen uns die Tränen….

Es ist schwer zu glauben, aber es ist wirklich so. Die Bilder sprechen für sich!

Ich persönlich habe ganz kühl geplant: wir fahren dort hin, holen die Hunde raus und gehen wieder. - Ich habe nicht damit gerechnet, dass es bei mir so einen starken Eindruck hinterlässt. Es war wirklich schlimm, alle die noch keinen Platz ergattert hatten, einfach so zurück zu lassen. Wer weiss, ob sie es alle packen?



Erfahrungsbericht
„El Arca“, November/Dezember 2008

Ende des Jahres 2008 machte ich mich auf, das Tierheim „El Arca de Santi“ in Monzón (Huesca) zu besuchen. Ich blieb für drei Wochen in Monzón, natürlich in Begleitung meiner beiden Hunde Jacky und Fina, und erlebte dort eine interessante, aufregende, wunderschöne, berührende, aber auch erschütternde und mit Sicherheit unvergessliche Zeit.

Ankunft und erste Eindrücke

Ilona, die deutsche Freiwillige in der Arca, nahm mich in Monzón in Empfang und lotste mich als erstes direkt zum Tierheim. In einem, um nicht zu sagen: ganz am Ende eines Gewerbegebietes liegt die Arca. Durch den Zaun hindurch werden wir schon von vielen Hundestimmen begrüßt.
Das gesamte Tierheimareal ist mit hohem Maschendrahtzaun eingefasst, damit die Hunde sich überall auf dem Gelände frei bewegen können. Die Arca beherbergt zur Zeit meines Besuchs 54 erwachsene Hunde. Katzen oder Kleintiere können nicht aufgenommen werden.
Eingepackt in Gummistiefel und Regenjacke – die sich in den kommenden Tagen als überlebensnotwendige Ausrüstung erweisen sollten – betreten wir das Gelände.

Ilona nennt die Arca das „Tierheim der Türen“. Und so ist es auch. Man muss praktisch mehrere „Schleusen“ passieren, um sich von Bereich zu Bereich zu bewegen. Im vordersten Bereich befindet sich die Krankenstation, ein mobiler Container. Hier werden frisch kastrierte oder z.B. die Hunde untergebracht, die im hinteren Hauptbereich von den anderen gemobbt werden. Links an die Krankenstation grenzt der separate Welpenbereich an, in dem ebenfalls ein Container Schutz vor Wind und Wetter bietet. Dahinter befindet sich der Hauptauslaufsbereich mit dem Büro und der Zwingeranlage, welche aus vierzehn Gruppenzwingern besteht.
Ganz am Ende des Geländes liegen noch einmal zwei kleinere, abgetrennte Ausläufe, wo z.B. Mütter mit ihren Welpen, unverträgliche Hunde oder auch Langzeitinsassen einquartiert werden können, damit sie nicht dauerhaft im Zwinger leben müssen.

In jedem Bereich werden wir stürmisch begrüßt von den dort lebenden Hunden. Fast alle sind so gierig nach Aufmerksamkeit und Zuwendung, dass sie mit den Freiwilligen jedes Mal das „Football-Spiel“ spielen, wenn man den Auslauf betritt. Nach dem Motto: Auf sie mit Gebrüll.  Da geht es zuweilen schon mal recht grob zu, man darf nicht allzu zimperlich sein, blaue Flecken und Schrammen sind garantiert. Ein Hund ist hübscher, liebebedürftiger als der andere. Fast alle haben sie unendlich traurige Geschichten, wurden verlassen, verstoßen, weg geworfen. So wie Chusa, eine Bobtailhündin, abgemagert zu einem Skelett. Die Reste ihres vollkommen verfilzten Fells hängen ihr in Fetzen herunter. Sie wurde aus einem Abwassergraben gefischt. Sie ist unendlich lieb, dankbar, anhänglich, ein Traumhund.
Eine grau-weiße Dogge, Tacca, hat es mir angetan. Sie begrüßt jeden Besucher direkt am Tor. Auf einem Auge ist sie blind, außerdem Leishmaniose-positiv. Im letzten Moment sind ihre Interessenten für den Transport abgesprungen. Sie schiebt sich unter meinen Beinen hindurch, ich muss mich auf die Zehenspitzen stellen, um ihr nicht in den Rücken zu drücken.
Dann ist da Mario. Er lebt im eigentlichen Büro, wo es etwas geschützter ist als in den Zwingern. Er sieht aus wie Chewbacca aus dem „Krieg der Sterne“ und keucht schwer. Sein Bellen ist heiser und tief. Er ist herzkrank, niemand kann sagen, wie lange er noch leben wird. Trotzdem springt er an mir hoch, will ebenso wie die anderen gestreichelt werden.
Eine Galga fällt mir auf, Brigitte. Zurückhaltend, und doch immer da. Wenn sie mich anspringt, werde ich nicht umgeworfen. Es ist fast, als würde sie mich streicheln, so sanft ist sie. Ihre dünne Nase ist so lang, dass ich sie insgeheim „Ameisenbär“ taufe.
Schon am zweiten Tag wird sie mein Schatten, schiebt mir ihren Kopf unter die Hand. Ich bin verliebt. Sie lebt im Gang der Zwingeranlage, zusammen mit Chusa und Uva, der Hündin mit den wohl großartigsten Ohren der Welt.
Außerdem ist da Fred, eine dicke Tonne, Bassett trifft Beagle. Wenn Fred an meiner Hand zum schmusen „andockt“, dann ist es, als wäre er mit Klebstoff angeklebt.

So viele Hunde, so viele traurige Geschichten, und viel zu wenig Zeit, ihnen allen gerecht zu werden.
Beinahe alles im Tierheim schreit nach Renovierung, Sanierung oder Neuerbauung, es fehlt an allen Ecken und Enden. Regenwasser, Urin und Exkremente sammeln sich zu dieser Jahreszeit in großen Seen, binnen kürzester Zeit bin ich durch die beständig an mir empor springenden Hundepfoten überzogen mit einer Schicht aus Schlamm und Kot, an Hose, Jacke und im Gesicht. Obwohl ich selbst Hunde habe und schon in anderen Tierheimen gearbeitet habe, bin ich doch erst einmal ein bisschen überwältigt.
In der Arca gibt es weder Wasser noch Strom, das (ursprüngliche) Bürogebäude hat genau eine Lampe, die über Solarzellen betrieben wird. Wasser bekommt das Tierheim aus einem Regenwasserkanal. Nahezu alle Hunde leiden an Durchfall, durch die Jahreszeit bedingt und weil die Wasserqualität so schlecht ist.
Im Welpenauslauf tummeln sich mindestens 20 Welpen. Wenn man den Welpenbereich betritt, kann man praktisch nicht mehr vorwärts kommen, da an jedem Bein sofort fünf Welpen hängen und sich mit nadelspitzen Zähnen und Krallen ihren Weg nach oben zu bahnen versuchen. Nicht umsonst nennt Ilona die Kleinen liebevoll die „Piranhas“ – zutreffender kann man es nicht beschreiben.
Nach einem kurzen Rundgang, auf dem Ilona mir erklärt, was so alles meine Tätigkeiten sein könnten, fahren wir weiter zu Mechi, wo ich wohnen werde. Ich werde herzlich begrüßt, packe meine Sachen aus und freue mich auf den nächsten Tag, meinen ersten Tag in der Arca.

Mein erster Tag

Auf zum ersten Dienst in der Arca! Vormittags hat Chemy Dienst, er trägt mir auf, die Boxen für den kommenden Transport sauber zu machen und aufzubauen.
Trotz wiederholter Ganzkörperschlammmassagen durch Hundepfoten macht die Arbeit Spaß. Zwischendurch werden natürlich viele Nasen gekrault, Hälse gekratzt und Photos geschossen. Letzteres gestaltet sich als etwas schwierig. Wenn man den ersten Großangriff beim Betreten des Auslaufs überstanden hat (Kamera dabei immer schön hoch halten oder unter der Jacke verstauen, damit sie eine Überlebenschance hat!), bekommt man vielleicht die Chance, den einen oder anderen Hund mal zu knippsen. Sobald eine Nase jedoch merkt, dass man ihr seine Aufmerksamkeit schenkt, ist es aus mit dieser Gelegenheit, da dann erstmal wieder geknuddelt werden muss, was das Zeug hält.
Wer den Fehler begeht, sich hinzuhocken, um auf Augenhöhe mit dem zu photographierenden Hund zu gelangen, hat augenblicklich verloren. Denn ein Photo wird nicht mehr möglich sein, wenn man erst einmal unter einem halben Dutzend Hunde begraben wird.  Besonders unterhaltsam ist es auch, dass manch Hund im XXL-Format meint, einem auf den Schoß krabbeln zu müssen, wenn man sich auf einer der Bänke niederlässt (selbst Schuld ). Noch lustiger wird es dann, wenn eben jener Riese seinen Platz auf dem Schoß gegen alle Nebenbuhler zu verteidigen beginnt und man, sozusagen im Auge des Sturms, jenem Kampf beiwohnen darf. Nur dass es in diesem Auge alles andere als ruhig zugeht.  Überhaupt sind die Hunde fast alle unglaublich lieb. Die stürmischen, die sanften, die ängstlichen. Nur ganz wenige knurren mal, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen, die meisten ergeben sich zitternd ihrem Schicksal.
Ich bekomme ein bisschen mit vom Alltag im Tierheim und möchte dessen Ablauf hier einmal kurz grob vorstellen:

Ein Arbeitstag in der Arca

Der Arbeitstag im Tierheim gliedert sich in eine Vormittags- und eine Nachmittagsschicht.

Die Vormittagsschicht
Die Morgenschicht arbeitet von 09:00 Uhr – 13:00 Uhr. Dabei besteht die Schicht aus einem der beiden fest angestellten Arbeiter und eventuell mithelfenden Freiwilligen, die unter der Woche jedoch eher rar gesät sind.
Die Zwinger werden ausgespritzt und mit Lejía desinfiziert. Die Hunde erhalten in insgesamt vier Gruppen Auslauf innerhalb des großen, vollständig eingezäunten Tierheim-Areals. Auch im Büro, der Zwingergasse und der Krankenstation leben Hunde, so dass auch diese Bereiche täglich gereinigt werden müssen, ebenso wie die separate Welpenstation, in der es natürlich immer besonders viele Reinigungsarbeiten zu verrichten gibt.
Die Hunde werden mit Trockenfutter gefüttert, das Trinkwasser wird erneuert, Medikamente werden verteilt und der Gesundheitszustand aller überprüft. Viele Hunde in der Arca sind gesundheitlich angeschlagen, besonders jetzt, in der kalten Jahreszeit, so dass der tägliche Gesundheitscheck unerlässlich ist.

Die Nachmittagsschicht
In der Nachmittagsschicht von 15:00 Uhr – 19:00 Uhr verrichtet der zweite fest angestellte Mitarbeiter seinen Dienst. Alle Hunde erhalten nochmals im Wechsel Auslauf. Die Ausläufe und Zwinger werden in einem nie enden wollenden Kampf von den Hinterlassenschaften der Hunde gereinigt.

Außerdem stehen vormittags wie nachmittags regelmäßig Suchaktionen nach irgendwo gesichteten Hunden, Tierarztbesuche oder Vorbereitungen für die Transporte nach Deutschland auf dem Programm.

Am Wochenende kommen oftmals Kinder und Jugendliche in die Arca, um mit den Welpen zu spielen oder Hunde auszuführen, eine willkommene Abwechslung für die Hunde, die das weiträumige Tierheimgelände ansonsten eher selten verlassen.
Besucher verirren sich nur vereinzelt in die abgelegene Arca, erwachsene Hunde werden sehr selten innerhalb Spaniens adoptiert.

Der Mangel an fast allem ist in der Arca zwar unübersehbar, ich komme aber doch sehr bald zu dem Schluss, dass es den Hunden trotz allem hier nicht wirklich schlecht geht, auch wenn es nach außen hin zunächst ärmlich und erschreckend erscheinen mag. Alle Hunde leben in Gruppen und erhalten für Tierheimverhältnisse sehr viel Auslauf, in großen Gruppen, so dass sie viel spielen, toben, einfach interagieren können. Der Auslauf ist groß und abwechslungsreich. Die Zwinger sind zwar karg und (im Winter) feucht, aber doch recht geräumig.
Kein Hund zeigt Anzeichen von Zwingerkoller oder anderen Neurosen. Natürlich sind zunächst alle sehr wild, wenn sie aus den Zwingern in den Auslauf gelassen werden, sie beruhigen sich aber relativ schnell und fangen an zu buddeln, spielerisch zu rangeln oder sich einfach genüsslich in die Sonne zu legen. Fast alle Hunde haben ein ausgesprochen gutes Sozialverhalten.

Die Haupttätigkeiten der Helfer sind, natürlich, das Saubermachen der Zwinger, Hinterlassenschaften sammeln im Auslauf, putzen, fegen, wischen, füttern, Medikamente verteilen, Wunden versorgen, kraulen, spielen, wie in jedem Tierheim. Ekelgefühle können und dürfen nicht aufkommen, wenn man einen Eimer voll Exkremente in das Klärgrubenloch kippt und alles so richtig schön blubbert und spritzt. Gefüttert wird Trockenfutter, ab und zu gibt es trockenes Brot zum Zeitvertreib.
Nach kurzer mittäglicher Siesta trete ich zum Nachmittagsdienst mit Lidia an. Der Nachmittag ist mit Häufchen sammeln gefüllt, was besonders spaßig im Welpenbereich ist, wo die Hinterlassenschaften noch dünner und zahlreicher sind und sich richtig schön um die Kieselsteine schmieren, und wenn man diese mit einsammelt, wird der Eimer richtig schnell richtig schwer. Ich komme kaum zum arbeiten, so sehr will ich ständig Brigitte kraulen. Abends tun mir die Knochen weh, trotzdem war es ein erfüllter Tag, wie auch die anderen, folgenden Tage, die ich hier nicht alle im einzelnen beschreiben will.

Ich möchte stattdessen lieber noch vom Transport nach Deutschland berichten, der während meines Aufenthalts in der Arca stattfand.

Der Transport

In den Tagen vor dem Transport hatte ich schon einige Transportboxen ausgewaschen. Diese wurden dann am Transporttag zusammen gebaut und mit Decken ausgelegt. Ilona und Lidia schmiedeten Pläne, welcher Hund mit wem in eine Box zu stecken war, wie viele Boxen insgesamt benötigt wurden usw. Dann brachte ein Fahrer in zwei Ladungen Hunde aus der Tötungsstation in Casseres. Ich versuchte, nicht tiefer darüber nachzudenken, da mich beim Anblick der zutiefst verschüchterten Hunde aller Größen und Altersklassen große Traurigkeit überfiel. Denn sie waren noch die Glücklichen, so hilflos und verschreckt sie auch wirkten. Sie würden eine Familie bekommen, geliebt werden. Leben. Eine Hundefamilie kleine Russmännchen war besonders putzig.
Wir ließen die Unglücklichen aus ihren Boxen, schließlich hatten sie bereits eine weite Reise aus Südspanien hinter sich und sollten sich vor der großen Reise nach Deutschland wenigstens noch einmal die Beine vertreten können. Ebenso dankbar waren sie über Wasser und Futter, das wir ihnen reichten. Besser sie müssen auf der Fahrt erbrechen als kleine Welpen zwei Tage ohne Futter zu lassen! Als der Zeitpunkt der Transporterankunft näher rückte, begannen wir, die Arca- und Perrera-Hunde auf die Boxen zu verteilen.
Das gab ein Gejammer und Geweine, besonders unter den Welpen, das bis zur Abfahrt des Transporters nicht mehr aufhören wollte. Dann trafen Carme und Joan aus Berga in ihrem roten Mercedes Sprinter ein. Nach kurzer Begrüßung begann das Einladen, Umladen, Einpacken, Umpacken, Schieben, Drücken und Hoffen – dass alle Boxen hinein passen würden.
Zahlreiche Menschen packten, guckten, nahmen Abschied. Hunde mussten umgepackt, in gemeinsame Boxen gesteckt werden, um auch alle unter zu bekommen.
Manchitas, der kleinste Hund, den ich je gesehen habe, reiste schließlich in einer kleinen Pappbox in der Fahrerkabine mit.

Die Tiere, Hunde und Katzen (aus anderen Tierheimen), Welpen und alte Tiere, reisen auf so unglaublich engem Raum für so viele Stunden zusammen, der Stress muss unglaublich groß sein für die Armen, doch eine Alternative gibt es nicht, wenn diese Hunde jemals außerhalb der Zäune eines Tierheims leben sollen. Wieder muss ich an die Perrera in Casserres und die Zurückgebliebenen denken, und der Kloß im Hals wird größer. Ich kann nicht begreifen, dass jemand für ein noch nicht geborenes, noch nicht einmal gezeugtes Wesen bei einem Züchter Vorbestellungen aufgibt, wenn kleine, putzige, blutjunge, unschuldige Russmännchen nur haarscharf dem Tod von der Schippe springen konnten.
Endlich sind alle Nasen verladen. Carme und Joan fahren ab. Mit ihnen ein Transporter voller Hunde und Katzen auf dem Weg in eine neue, glücklichere Zukunft. Alle werden gut in Deutschland ankommen.

So viel Leid…

Neben all den schönen Ereignissen im Tierheim, den täglichen Spaziergängen mit meiner Lieblingsmaus Brigitte, der Freude über gut vermittelte Hunde und der Freude am Umgang mit all den süßen Nasen, möchte ich auch noch von den furchtbaren, entsetzlich traurigen Erlebnissen erzählen.

Unna

So gab es einen Unfall, der drei Hunde das Leben kostete. Eine Hündin, Unna, die nachts im Auslauf gewesen war, hatte versucht, unter dem Zaun hindurch in den hinteren, abgetrennten Auslaufbereich zu gelangen. Sie hatte sich im Zaun verfangen und wurde von zwei anderen Hunden attackiert. Jeder Fluchtmöglichkeit beraubt, fanden wir sie am nächsten Tag, noch immer eingeklemmt unter dem Zaun, entsetzlich zugerichtet, verblutet. So verkeilt war sie im Zaun, dass wir sie heraus schneiden mussten. Noch am selben Tag wurden die beiden Hunde eingeschläfert, die sie angegriffen hatten.
Ich finde keine Gerechtigkeit in ihrem Tod, der so kurz und unendlich weniger grausam war als der ihres Opfers. Sicher, Hunde wie die beiden können nicht in einem Tierheim leben, so eng zusammen mit anderen Hunden, sie könnte man ja eigentlich niemals mehr hinaus lassen, und was wäre das dann für ein Leben. Drei Hunde sind tot, die es nicht sein müssten, wenn Menschen sie nicht ausgebeutet, benutzt, verletzt und weg geworfen hätten. Ich habe mich im Gang verkrochen, bei Brigit und Chusa.
Heute will ich nicht mehr. Ich will nicht morgen die Stelle im Zaun ansehen, die wir geflickt haben, das getrocknete Blut auf dem Stein darunter sehen. Ich will mich einrollen neben Jacky und Fina und ganz tief schlafen, ganz lange und traumlos. Und wenn ich aufwache, möchte ich nicht mehr Unnas verstümmelten Körper sehen.
Ich will nur noch schlafen und an gar nichts mehr denken.

Venecia

So jung, wie sie ist, so viel Leid und Grausamkeit musste die arme Venecia schon erleiden. Eines Abends brachte Mechi einen kleinen Welpen mit nach Hause, den Leute im Tierheim abgegeben hatten. Die arme kleine Maus war furchtbar zugerichtet, es müssen wohl Leute versucht haben, ihr den Schwanz abzuschneiden. Die gesamte Rute war dick geschwollen und erinnerte an eine Mohrrübe.
Das Fleisch war bereits abgestorben, der Schwanz musste restlos amputiert werden. Tief ins Fleisch eingeschnitten fand die Tierärztin eine Plastikschnur, mit der jemand versucht hat, der armen Venecia die Rute zu kupieren. Trotz dieser Grausamkeit, die ihr von menschlichen Bestien widerfahren ist, blieb die Kleine immer freundlich und fand kurz nach der Amputation ein Zuhause in Spanien.

Popeye

Auch hatten wir einen Fall von Parvovirose im Tierheim und mussten tagelang um das Leben des kleinen Popeye bangen. Wie durch ein Wunder hatte sich noch kein weiterer Welpe angesteckt, und auch der kleine Popeye erholte sich wieder und konnte im Dezember nach Deutschland in eine neue Familie reisen. Ab und an funktioniert die Welt noch, wie sie sollte, und es fällt etwas Licht ins Dunkel.

Abschied…

Der letzte Tag. Ein letzter, kleiner Spaziergang mit Brigitte. Ein letztes Mal Nassfutter für Chusa und Brigitte und die damit verbundenen Freudenausbrüche. Die Verabschiedung war sehr traurig. Chusa hat mir lange hinterher gebellt und Brigitte versucht, das Tor aufzunagen. Ich durfte mich gar nicht zu oft umdrehen…

Ich werde meine Zeit in der Arca niemals vergessen. So viel Hoffnung, so viel Liebe, und der Glaube daran, dass wir gemeinsam etwas zum Guten verändern können. So offene, freundliche, interessierte, engagierte, liebe Menschen habe ich hier kennen lernen dürfen. Danke Mechi, Ilona, Chemy, Lidia und allen anderen für eine, trotz allem Grauen, das einem im Tierschutz immer begegnen wird, wunderschöne Zeit.

Anne
Magic-conch@gmx.de



Reisebericht von Yvonne und Walter, die das Tierheim in Cakovec für 10 Tage besucht haben.

Es ist soweit:
Freitagabend (29. 08. 2008) um 21:00 Uhr ist alles verstaut und kontrolliert. Wir haben gestaunt, was da alles Platz hatte:
Hundeboxen, Decken, viel Werkzeug, Kessel, Futtersäcke, Ketten und sogar der Raumkühler hatte noch nebst unseren Koffern Platz!
Los geht die Fahrt über St. Gallen-Lindau bis München. Um 2 Uhr morgens ist ein Frontlicht des Wagens kaputt, aber wir bekommen eine neue Birne an der Tankstelle.
Weiter geht die Fahrt über Salzburg und dann kommen die Tunnelgebühren und die Vignetten von Österreich und Slowenien. Die Fahrt nach Ormoz läuft ohne Probleme.
In Kroatien angekommen, holt uns Branco zusammen mit seiner Frau Liliane ab. Die Fahrt geht weiter bis ins Tierheim. Dort wird uns erst einmal alles gezeigt, um dann in der Stadt die Zimmer zu beziehen und etwas auszuruhen.
Yvonne stellt die Blume von Branco auf den Tisch, die nahe des Tierheims gewachsen war.
Der erste Eindruck vom Tierheim in Cakovec war erschütternd und zugleich sehr beeindruckend. Wir sahen viele Hunde in Zwingern, angebundene und freilaufende Hunde.
Alle Hunde sind bei der Begrüßung sehr freundlich und gut sozialisiert.
Zweimal täglich werden alle Boxen und Ausläufe gereinigt. Trotz der vielen Arbeit haben immer alle ein liebes Wort für die Hunde und streicheln kurz über das Fell.

Das Futter besteht aus Resten der Restaurants, Bäckereien oder Metzgereien. Das wird alles immer gekocht und vermischt für die Vierbeiner. Knochen gibt es auch, wenn es möglich ist, jeden Tag.
Branco und sein Sohn fahren täglich die Abfälle holen und wenn es irgendwie möglich ist, werden auf der Tour auch gleich noch gratis Eisenstangen, Holz und andere Materialien mitgenommen, die im Tierheim wieder zum Aufbau von Hütten, Dächern und Zäunen verwendet werden.
Branco sagt immer: Wir können alles gebrauchen und das stimmt wirklich.

Manchmal gibt es auch irgendwo eine Hausräumung und natürlich ist manchmal viel Schrott dabei – aber eben auch viel Nützliches: Pfannen, Becken, Decken und sonstiges was man gut gebrauchen kann.
Derzeit werden überdachte Gehwege für das Füttern und Säubern gebaut, denn wenn es regnet oder im Winter schneit, ist es fast nicht möglich gut zu den Hunden zu kommen. Außerdem wird gerade der Platz für ein Behandlungszimmer und eine ordentliche Quarantänestation betoniert.

Auf den Tierheimgelände steht auch ein kleines Haus mit einem WC, einer Küche und einem Büro. Überall sind auch hier Hunde, meistens Welpen oder kranke Hunde, die noch nicht bei ihren gesunden Artgenossen sein können, weil sie eine Verletzung oder Operationswunde haben.
Beim Haus auf dem Tierheimgelände gibt es eine Werkstatt, wo auch immer alles gebraucht wird.
Immer wieder bringen Leute Hunde, die sie draußen finden oder sie rufen an, wenn es Hunde gibt, die herrenlos herumspringen. Und immer wieder werden auch arme Vierbeiner gebracht, die vergiftet wurden oder deren Kette ins Fleisch eingewachsen ist und sie sich irgendwie losreißen konnten.
Manchmal kommen aber auch Interessenten, die einen Hund oder eine Katze holen. Alle diese Tiere wurden zuvor tierärztlich untersucht, entwurmt, gechipt und geimpft.
Diese ganze Arbeit erledigt Liliane und versorgt nebenher noch die vielen Hundebabies.
Zur finanziellen Situation:
Bei der Übernahme des Heims hatten Branco und Liliane 7500 Euro Schulden, die sie aber alle begleichen konnten im Laufe der Zeit. Jeder von den Tierfreunden vor Ort gibt einen großen Anteil seines eigenen verdienten Geldes ins Tierheim.

Momentan haben sie aber wieder hohe Schulden beim Tierarzt, denn die Hunde aus Zadar und Benkovac brauchten enorm viele Behandlungen – somit belaufen sich die Schulden wieder auf 5000 Euro.
Wir bewundern Branco, Lili, den Sohn Welemir und die zwei Arbeiter, die sieben Tage die Woche für alle ca. 260 Hunde da sind. Die Arbeit beginnt täglich um 7:00 Uhr und endet um 21:00 Uhr mit kleineren Pausen, um mal Luft zu holen.
In den 10 Tagen haben wir viel gesehen und gelernt. Wir werden auf jeden Fall im November wieder mit Sach- und Geldspenden in Cakovec auftauchen, denn dort wird jede Art der Hilfe benötigt und kommt auch an.

Das Geld werden wir wieder für Kastrationen und andere Arztkosten ausgeben.
In der Zeit haben wir auch 10 Tage durchgearbeitet und uns voll in das Tierheimleben integriert: Yvonne hat jeden Tag die Hundebabies und die kranken Tiere versorgt, das Haus gereinigt, Wäsche gewaschen, aufgeräumt und ist zum Tierarzt mitgefahren.
Walter hat zehn Hundehütten gebaut, z. B. für Wolfi, eine Huskyhündin, bei den überdachten Wegen geholfen, eine Holzhütte zerlegt und alles sortiert für das Dach.

Gemeinsam hat man dann noch Spaziergänge mit den Kettenhunden gemacht, damit auch diese mal rauskommen.
Jeden Abend haben wir uns frisch gemacht und dann ging es zum Essen mit Branco und Lili. Danach sind wir todmüde ins Bett gefallen.
Abschließend möchten wir sagen: es war eine sehr schöne Zeit und wir gehen auf jeden Fall wieder nach Cakovec, wo aktiver Tierschutz gemacht wird. Wer mehr wissen will, darf sich gerne bei uns melden – auch Nachahmer werden immer wieder gerne gesehen…

Yvonne und Walter Hürbin
y.huerbin(at)ggs.ch



Reisebericht über Cakovec (Nordkroatien)
17. Juli bis 02. August 2008

14 Tage habe ich mich in Kroatien aufgehalten, um zu sehen, ob sich an den Orten, die wir am 03. Juni so schrecklich vorgefunden hatten, etwas zum Besseren verändert hat. Außerdem wollte ich Brankos Heim in Cakovec sehen und ihm etwas helfen.

Die gespendeten Decken, Körbe, Halsbänder, Medikamente und Verbandsmaterialien, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte, habe ich gleichmäßig an Branko und den Verein „Noina Arka“ in Zagreb verteilt.

Das Tierheim, das Brankos und Lillis (Brankos Ehefrau) Verein unterhält ist eine ganz tolle Anlage mit etwa 200 Hunden und 70 Katzen. Das Katzenhaus ist ohne Probleme in die Gesamtanlage integriert. Hunde und Katzen verstehen sich, lediglich durch einen Zaun getrennt, gut. Überhaupt strahlt das Tierheim Fröhlichkeit und Zufriedenheit aus. Ich hatte mit allen Hunden Kontakt, alle freundlich.

Branko hat mit sehr viel Phantasie und Ideenreichtum den Tieren ein gutes Dasein ermöglicht bis sie hoffentlich bald eine Familie finden. Die größten Probleme hat der Verein mit den Hunden aus Zadar, weil sie durchweg nicht gesund sind.
Die vielen Tierarztbesuche verursachen erhebliche Kosten und die Bemühungen sind nicht immer erfolgreich – leider. Von den 10 Welpen der Labradorhündin, die aus dem Autowrack in Zadar gerettet wurden, haben nur 3 überlebt – Parvo - Carko, der Rüde aus Benkovac mit den erheblichen Bisswunden, ist völlig geheilt und tobt nun mit den Welpen in der Anlage herum.
Seine Wunden wurden völlig neu vernäht, weil sich in Benkovac ein grober Viehdoktor an ihm versucht hatte.

Spenden für Cakovec sind notwendig und gut angelegt, davon konnte ich mich persönlich überzeugen.
In Benkovac hatte ich ein gutes Gespräch mit dem Bürgermeister mit Anas Unterstützung. Es hat sich etwas verbessert aber längst nicht genug. Jure, der neue Pfleger, ist etwas sicherer im Umgang mit den Hunden. Er wurde in diese Aufgabe geworfen ohne jede Kenntnisse. So hat er für die Welpen eine größere Box in einem der Holzhäuser eingerichtet d.h. mehr Platz und Schatten.
Ana und ich hatten den Eindruck, dass sich der Bürgermeister und Jure Mühe geben, aber nicht die erforderlichen Kenntnisse haben. Ana hat nun die Beraterrolle übernommen, außerdem ist Dolores (Lovran) öfter dort, um nach dem Rechten zu sehen.

50 Hunde sind im Augenblick dort. Sorgen bereiten uns 3 hoch tragende Hündinnen. Sie brauchen einen geschützten Platz zum Werfen und eine Bleibe für sich und die Jungen bis evtl Branko sie dort rausholen kann.
ranko hat am 27.07. 5 Welpen und einen wunderschönen ungarischen Jagdhund dort rausgeholt – 2 weitere Hunde, die aus Zadar mitkommen sollten, hat Marijana verweigert. Dafür konnten 2 ausgesetzte Katzenbabys mitkommen. In Zadar hat sich zwar auch einiges verbessert, die Betonfläche wurde vom Müll gesäubert und 2 neue Bereiche eingezäunt, aber die medizinische Versorgung lässt erheblich zu wünschen übrig und Marijana ist ein sehr schwieriger Mensch, weil sie nicht ausschließlich für das Wohl der Tiere sorgt, sondern oft Eigeninteressen den Vorrang gibt.

230 Hunde sind nun in der Anlage und sie sollte froh sein über jeden Hund, der dieses Lager verlassen kann. Wir hoffen, dass noch in diesem Jahr mit dem Bau eines Tierheims in Zadar begonnen werden kann. Darüber habe ich einige Gespräche mit Offiziellen in Zadar geführt.

Über alte Kontakte hatte ich dann noch ein grausames Erlebnis in einer Anlage in Zapresic 15 Km nördlich von Zagreb. Dort sind in einer ehemaligen Lagerhalle in 21 Boxen z. Zt. 37 Hunde im ständigen Halbdunkel eingesperrt. Die Boxen werden mit einem Wasserschlauch wie Schweinekoven sauber gespritzt während die Hunde in den Boxen bleiben. Die Betonfläche ist dauerhaft nass, die Hunde haben keine trockene Stelle zum Liegen und so gut wie keinen menschlichen Kontakt.
Die Decken und Körbe, die ich vor 3 Monaten dorthin gespendet hatte, waren in einer Ecke gestapelt, weil sie beim Reinigen stören. Ich habe mit dem Eigentümer – einem Tierarzt (!!) sehr ernst gesprochen und ihm ein ähnliches Aufgebot wie in Zadar/ Benkovac in Aussicht gestellt, wenn sich die Situation der Tiere in Kürze nicht nachhaltig verbessert.
Sowie bei Branko etwas Platz entsteht, wird er nach und nach diese armen Tiere aus diesem Gefängnis befreien.

Wir hoffen sehr, dass möglichst viele Hunde aus Cakovec über das Internet vermittelt werden können. Während meines Aufenthaltes konnte Ute Hübner für 3 (Folker, Willi und Tonka) einen Platz finden, sodass sie mich bis Nürnberg begleitet haben.

Zum Schluss wieder einmal ein Aufruf – Branko braucht Helfer vor Ort, die nicht nur Tiere versorgen, sondern auch technisches Verständnis haben d.h. mit einem Hammer umgehen und eine Schaufel festhalten können und mehr. Dann brauchen wir Spenden, Spenden und nochmals Spenden, damit wir helfen können. Jeder Euro hilft, das Elend erträglicher zu gestalten.

Dies ist eine sehr kurze Zusammenfassung anstrengender und ereignisreicher Tage (allein 3400 km Fahrleistung). Großen Dank an Ana. Ohne sie hätte ich die vielen Gespräche und Kontakte in Zadar / Benkovac nicht führen können. Und natürlich an Branko und Lilli Dank für ihre Gastfreundschaft.

Später im Jahr ist die nächste Reise geplant, um dann auch Gespräche mit Verantwortlichen in der Landesregierung zu führen.
Wer noch eingehender informiert werden möchte oder Fragen hat – Anruf genügt.

Volker Fritzemeier

www.tierschutzprojekt-kroatien.de



Transport nach El Arca (Monzón, Nordspanien)

Am 21. 05. 2008 sind Britta, Jürgen und Ute zu einem Transport nach „El Arca“ Monzón bei Huesca (Nordspanien) aufgebrochen, um das erste Mal dieses Tierheim zu besuchen.
In Deutschland selbst hatten wir eine überwältigende Reaktion auf unseren Aufruf über die Webseite erhalten und konnten so von vielen lieben Menschen Sachspenden aufsammeln, über die sich die Tierfreunde in Spanien wirklich riesig freuen sollten.

Um 18:37 sind wir am 22. 05. 2008 nach einer langen und kurvenreichen Fahrt über die Pyrenäen endlich in Monzón angekommen.
Dort wurden erst mal alle Spenden im Tierheim abgeladen und danach sind wir zu „unseren“ Familien gekommen.
Ilono und Mechi hatten sich bereit erklärt uns privat zu versorgen und das haben sie nach allen Regeln der Gastfreundschaft auch getan. - Vielen Dank noch einmal Ilona, Pedro und Mechi.

Überhaupt ist das eine tolle Truppe: Ilona, Mechi, Lidia, Marie, Pedro und all die anderen, in denen wir gleich gesinnte Tierfreunde gefunden haben.


Der erste Besuch im Tierheim von El Arca:

Das Tierheim ist weder an die Elektrizität noch an die städtische Wasserleitung angeschlossen. Nur ein paar Solarzellen schaffen für etwas Strom.
Das Tierasyl selbst ist notdürftig aber sinnvoll angelegt – man hat das Ganze schon gut durchdacht.
Es fehlt aber an sehr elementaren Dingen: Einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter, ein Behandlungsraum für die Tiere, einem besser gesicherten Zaun, denn der jetzige ist normaler Maschendrahtzaun, der schon mit einem normalen Seitenschneider durchtrennt werden kann.
Außerdem werden dringend mehr Zwingeranlagen gebraucht, denn die armen Tiere sitzen zu eng in ihren Zwingern.

Die Anzahl der Tiere im Tierheim ist eigentlich ständig über dem Limit und Ilona erzählte uns, dass es noch eine lange Liste von Hunden gibt, die bis jetzt noch nicht aufgenommen werden konnten – aus Platzmangel.
Das Tierheim in Monzón ist mittlerweile auch Anlaufstelle für Nachbargemeinden geworden und wenn wirklich mal Platz frei ist, übernehmen die Tierschützer auch Tiere aus der Tötungsstation in Zarragoza oder anderen Tierheimen, die brechend gefüllt sind.

Auffällig ist die Sauberkeit und Hygiene in den Ausläufen, es wird darauf geachtet, das immer alle Kothäufen entfernt werden. Die Arbeit erledigen alle Tierfreunde ehrenamtlich – ohne eine Aufwandsentschädigung dafür zu erhalten.
Es wird in zwei Schichten gearbeitet: Vormittags und nachmittags.

Auch auf Medikamentengabe,Verbandswechsel wird nach einem guten Schema von den Tierfreunden gemacht, damit eine gute Behandlung gegeben ist.

Die Tiere selbst sind sehr freundlich, verschmust und überaus sozial zu Menschen und Artgenossen.
Immer wieder werden größere Gruppen (10 – 15 Tiere) aus ihren Zwingern geholt und sie können dann auf einem großen Gebiet gemeinsam herumsausen – kein Wunder sind sie so sozial gegenüber ihren Artgenossen…
Und immer wieder drückt sich dann eine andere Hundeschnauze in die menschliche Hand oder an den Rücken, um ein paar Streicheleinheiten oder ein Leckerle abzubekommen, wenn man sich auf dem Gelände bewegt.
So durften wir den freundlichen Riesen Drusus erleben, die süße Arena, die tolle Zarza und Marleen, eine ganz liebe Hündin. Dann waren da noch Irius, Leona und das arme Mädel Piscis, die jetzt dreibeinig durchs Leben geht.
Und gab es noch....

Wir waren ganz begeistert von all den freundlichen liebenswerten Hunden, die um uns herum sprangen. Ein paar wenige aber blieben in ihren Zwingern – freiwillig, denn für sie ist es der einzige Schutz, den sie haben. - Das sind die getretenen, geschlagenen, von Menschenhand gedemütigten Vierbeiner, die Angst haben, weil die Zweibeiner sie vor dem Tierheimaufenthalt schlecht behandelt haben.

Ein dickes Kompliment müssen wir Ilona machen, denn sie hat die Hunde wirklich toll charakterisiert und sie entsprechen absolut ihren Angaben - Ilona schreibt auch alle Texte für unsere Hunde auf der HP selbst und wir stellen sie dann einfach noch mit den Bildern zusammen ein…

Trotz der anstrengenden Fahrt war das Kennenlernen der Hunde und Menschen von der Arca ein voller Erfolg, denn man konnte endlich einmal sehen, wie die Hunde so leben und wie die Menschen mit ihnen zurechtkommen.

Als kleinen Erfolg kann man auch werten, dass wir alle Welpenkinder aus "El Arca" schaffen konnten, denn in der Welpenstation war ca. eine Woche vor unserem Eintreffen eingebrochen worden und zwei der süßen wurden gestohlen.
Kurz vor dem Transport wurden die zwei kleinen Mäuse wiedergefunden - ausgesetzt in einem Nachbardorf.
Zum Glück hatten wir liebe Pflegestellen in der Schweiz und Deutschland, die die kleinen Mäuse alle aufgenommen haben.
Danke auch an die Pflegestellen, ohne die eine solche Aktion nicht möglich gewesen wäre.

Nach diesem "Ausflug" sind wir davon überzeugt, dass El Arca auch weiterhin unsere Unterstützung dringend braucht und es wäre toll, wenn wir auch andere Tierschützer dazu begeistern könnten, mitzumachen oder zumindest mit zu spenden.

Es gibt viel zu tun, packen wir es an…

Ute Hübner



Transport Lindau – Zadar – Lindau vom 18. März bis 20. März 2008

Für den Zeitraum vom 18. bis zum 20. März haben wir unseren zweiten Transport nach Zadar/ Kroatien geplant.
In dem Transporter waren auch reichlich Sachspenden für das kroatische Tierheim (Decken, Kratzbäume für Katzen, leere Plastiktonnen, etc und 1, 3 Tonnen Futter) mit dabei.

Los ging es also am Dienstagmorgen um 5 Uhr von Lindau. Der erste planmäßige Halt war am Rasthof Rosenheim, wo wir uns mit Tierschützern trafen, die uns noch Sachspenden für Zadar mitgegeben haben (nochmals ein ganz großes Dankeschön hierfür auch an unsere österreichischen Freunde Susy, Michael, Johanna und Co.)

Auch Walter, der seinen privat finanzierten und umgebauten Wohnwagen im Schlepptau hatte, war schon vor Ort und wartete auf uns.
Der Wohnwagen wurde übrigens aus folgendem Grund nach Zadar gebracht: Wir sprechen zwar immer von einem „Tierheim“ in Zadar, tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch um mehrere mit wackligen Zäunen umringte Ausläufe als um ein Tierheim wie wir sie hier kennen (siehe hierzu Hilfsprojekt Kroatien). Da sich diese Zaunanlage aber in einem nicht gesicherten und für jedermann zugänglichen Gelände befindet, müssen unsere kroatischen Tierfreunde abwechselnd nachts Wache halten damit kein Fremder auf dumme Gedanken kommt… und glauben Sie uns, diese Angst ist tatsächlich begründet… Da sie die nächtliche Wache bis dato jedoch immer in ihren Autos (und jeder der schon mal in einem Auto übernachtet hat weiß wie unbequem das sein kann) durchgeführt haben, hat Walter aus diesem Grund den Wohnwagen organisiert, damit ihnen von nun an wenigstens diese Aufgabe etwas erleichtert wird.

Die restliche Fahrt verlief soweit problemlos, wir hatten glücklicherweise viel Platz auf den Straßen und trafen dann um ca. 13 Uhr an der slowenisch-kroatischen Grenze an, wo die Probleme beginnen sollten…

Als wir uns der kroatischen Grenze näherten, erspähten wir schon den kleinen garstig dreinschauenden Zöllner der die Grenzübergänger kontrollierte. Wir drei setzten alle unser charmantestes Lächeln auf als er die Pässe entgegennahm, das brachte allerdings nicht viel, wir mussten also rechts ranfahren um die Zöllner untersuchten alles und postwendend wurden wir zur „Spedici“ geschickt – wir mussten unsere Ware also verzollen…. Und das Drama fand seinen Anfang.

Dann sind wir zur ersten Spedici, die konnten nicht mal englisch, also haben sie uns zur zweiten Spedici geschickt. Die waren augenscheinlich nicht für Hilfsgüter, wie wir sie beschrieben, zuständig, also schickten sie uns zur dritten, die auch kein englisch konnten, und so weiter und so weiter, bis wir endlich mal zu einem Angestellten kamen, der zumindest soviel englisch sprach, um uns zu erklären, dass wir, da wir keine Rechnung über unsere Ware, geschweige denn eine Packliste haben und zudem auch noch Futter, dass dann ja auf Unbedenklichkeit hätte geprüft werden müssen, wenig Chancen haben die Ware tatsächlich ins Land zu kriegen.

Für alle Schlauberger die jetzt sagen „seid ihr blöd, ist doch klar dass man 1,3 Tonnen Futter nicht einfach in ein Drittland einführen darf“ – danke, das wissen wir selber, aber beim letzten Transport haben die sich an der Grenze auch nicht so angestellt und uns ohne Theater passieren lassen, es hätte dieses Mal ebenso gut auch wieder funktionieren können – wer nicht wagt, der nicht gewinnt – außerdem sind wir keine Halunken und Verbrecher, sondern ein angesehener Verein mit der Absicht zu helfen!

Nun gut, nach ca. 1,5 Stunden in denen wir mehr und mehr ratlos wurden, weil es offensichtlich kein Durchkommen mit all dem so dringend gebrauchten Futter gab, hatten wir die Möglichkeit, entweder umzukehren und kurz nach dem slowenischen Grenzübergang das Futter und die anderen Sachen einfach rauszuschmeißen - den Gedanke verwarfen wir allerdings sofort wieder, die schönen Spenden!! - oder unseren spontanen und bis dato noch völlig unbekannten Plan B ins Spiel zu bringen.

An dieser Stelle kommen unsere großartigen Hintergrundhelfer ins Spiel, ohne die die nachfolgende Aktion nicht möglich gewesen wäre. Schnell informierten wir also andere Vereinsmitglieder sowie Freunde über den Stand der Dinge, diese machten sich dann auch sofort an die Arbeit, googelten und fanden schließlich ein slowenisches Tierheim das sich nur ca. 60 km von der Grenze entfernt befindet und dem wir also unsere schönen Sachspenden überlassen wollten. (Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle nochmals an Tatjana, Rüdi und Peter).

In der Stadt Novo Mesto angekommen (wo sich das Tierheim befinden sollte), hatten wir zum ersten Mal wahnsinniges Glück, denn da wir absolut keine Ahnung hatten, wo sich das Tierheim befand und die Stadt nun auch nicht sehr klein war und zu allem Überfluss uns unser Navigationsgerät auch nicht helfen konnte, sprachen wir einen vorbeigehenden Passanten an, der mit seinem Hund spazieren ging. Er brachte uns dann schnell zu seiner Freundin, die selbst wie auch ihre ganze Familie ein großes Herz für Tiere hat und manchmal auch selbst in diesem Tierheim mithilft. Sie boten sich dann auch gleich an, uns ins Tierheim zu bringen. Das war unser Glück, denn das Tierheim liegt so weit oben in den Bergen (da lag überall noch Schnee), da hätten wir allein niemals hin gefunden. Im Tierheim angekommen, machte der Tierheimleiter Marjan große Augen als er sah was wir da alles an Bord hatten. Wir halfen alle zusammen um die Spenden so schnell wie möglich auszuladen, schließlich war es mittlerweile schon 15:30 und die Zeit lief uns allmählich davon. Nach getaner Arbeit dann haben wir uns noch bei einer Tasse Kaffee mit Marjan über unsere Arbeiten ausgetauscht. Es ist ein sehr schönes Tierheim und vorbildlich geführt, so dass wir eine zukünftige Kooperation nicht ausschließen möchten. Wer weiß also wozu unser unfreiwilliger Umweg gut war, wichtig ist jedenfalls, dass die Spenden verwendet werden. Welche Hunde sie dann letztendlich bekommen, ist ja fast nebensächlich. Klar ist jedenfalls, dass wir leider keine Sachspenden mehr nach Kroatien bringen können, da wir das Risiko, wieder abgewiesen zu werden, nicht mehr eingehen wollen. Daher sind wir nun mehr denn je auf finanzielle Spenden angewiesen, um so die ca. 260 Hunde wenigstens einigermaßen mit Futter und dem nötigsten versorgen zu können.

Es war dann fast 17:00 Uhr als wir uns verabschiedeten und uns wieder auf den Weg Richtung Zadar machten. Dieses Mal konnten wir die Grenze passieren, obwohl die Zöllner natürlich wieder was auszusetzen hatten, dieses Mal an unseren Transportboxen… nach einem kurzen Hin und Her durften wir dann endlich passieren und die restliche Fahrt verlief soweit zügig und problemlos. Wir kamen aber leider erst um ca. 21:00 Uhr am Tierheim in Zadar an, da war natürlich alles schon dunkel und wir waren fix und fertig. Gerne hätten wir uns noch länger mit Marijana, Iva und Co. unterhalten, doch aufgrund der Tatsache, dass wir den Transporter noch startklar für die Rückreise machen mussten (d.h. Transportboxen aufbauen und befestigen) und am nächsten Tag schon wieder um 4:00 Uhr früh aufstehen mussten, blieb dafür leider keine Zeit. Nach dem Transportboxen Aufbauen saßen wir alle noch bei einem Stück Pizza zusammen, um Mitternacht jedoch ging es dann endlich ins Bett.

Kaum eingeschlafen klang auch schon wieder der grässliche Wecker. Also packten wir in Windeseile unsere 7 Sachen und machten uns anschließend auf den Weg zu Marijana, denn die Mehrzahl der Hunde waren vorübergehend in ihrem Haus untergebracht. Nach dem dort alle Reisenden eingeladen waren, machten wir noch einen Abstecher zum Tierheim um die restlichen Hunde einzuladen. Nach dem alle an Bord waren, verabschiedeten wir uns von Marijana, Iva und dem Rest der fleißigen Tierheimhelfer und um 6:30 machten wir uns auf den Weg Richtung Grenze.

Dort angekommen war es halb 10. Wir näherten uns den Zollbeamten und mussten natürlich prompt unsere „Ware“ zeigen. Obwohl der Zollbeamte recht nett war und wie es schien auch ein Herz für Tiere hatte, kamen sogleich seine Vorgesetzten angesprungen und wollten alle (im Übrigen vorbildlichen zusammengestellten) Unterlagen sehen. Das nütze aber natürlich nichts, und so wurden wir wieder mal zur „Spedici“ geschickt.

Nachdem dort die Unterlagen überprüft und für in Ordnung befunden wurden, ließen wir die Hunde anschließend noch einmal tierärztlich untersuchen, wobei auch hier alles in Ordnung zu sein schien. Nach ca. 4 Stunden durften wir dann, nach dem alles geregelt war, endlich Richtung Heimat weiterreisen.

In Deutschland angekommen, mussten wir erneut zum Zoll in Bad Reichenhall, um unsere „Ware“ eben in den Verkehr einzuführen. Nach dem wir dort ca. eine weitere Stunde verbracht haben, konnten wir endlich die letzte Fahrtetappe in Angriff nehmen.


Um 00:00 Uhr dann kamen wir dann endlich nach einer langen und anstrengenden, aber für uns auch lehrreichen Reise gesund und „munter“ in Lindau an. Wenn man die Hunde sieht, die jetzt die Chance auf ein neues und schönes Leben haben, haben sich die Strapazen jedoch mehr als gelohnt.

Julia Fromm



Kroatien Reisebericht 2007

Ende September/Anfang Oktober machte sich eine kleine Delegation von vier Personen (Jürgen, Gabi, Anja und Ute) für den Tierschutzverein Europa auf den Weg nach Zadar (Kroatien), weil wir von Rüdiger und Petra erfahren hatten, dass es dort ein Tierheim gibt, in dem die Not besonders groß ist.
Also machten wir uns mit Privatautos und auf eigene Kosten auf, die Lage zu sondieren.

Schon in Zadar bei unserer Ankunft sahen wir die ersten Straßenhunde, drei Welpen, spielend am Straßenrand neben einer dicht befahrenen Strasse. Beinahe wäre uns das Herz dabei stehen geblieben, denn die ca. 4 Monate alten Welpen kamen verdächtig nahe an die Fahrbahn.
- Inzwischen konnten unsere kroatischen Tierfreunde die kleinen übrigens einfangen, allerdings sind sie (noch) sehr menschenscheu deshalb auch noch nicht vermittelbar.

Der Empfang von Marijana und ihren Eltern in Zadar war sehr herzlich und es war sofort klar, dass wir dieselbe Wellenlänge haben.

Schon am nächsten Tag, sollten wir erleben, dass es in Kroatien aber nicht nur Tierfreunde gibt: Wir hatten uns mit Jürgen und Gabi in der Nähe eines Supermarktes auf einen Kaffee getroffen, als wir auch schon einen großen Hund bemerkten, der aussah wie ein wandelndes Gerippe.
Er wurde sofort harsch von zwei Männern verscheucht, der eine versuchte nach dem Hund zu treten und der andere hob etwas auf, vermutlich einen Stein…
Beherzt sind wir aufgestanden und haben uns dem Hund langsam genähert. Das ging auch ganz gut, er hatte ein Halsband, so dass wir ihn festhalten konnten. Ein Rüde, wie wir später erfahren haben mit dem Namen Trill, ist eigentlich ganz lieb und zutraulich.
Erstmal wurde eine große Dose Futter und Wasser besorgt, dass Trill auch förmlich eingesaugt hat
Uns war klar, dass wir den armen Kerl nicht dort lassen konnten und haben ihn ins Auto von Jürgen gepackt und ins Tierheim gefahren. Und von dort war der Rüde auch ausgebüchst, wie wir erfahren haben.

Die Ankunft am Tierheim war ein großer Schock! Wo fange ich an?
Das Tierheim liegt in einem Waldstück, die Zufahrt liegt direkt an einer befahrenen Strasse. Es gibt einige Bereiche die eingezäunt sind, in denen sich die meisten Hunde aufhalten. Diese Bereiche sind nicht klein, bieten aber auch keinen großen Auslauf
Eine große Anzahl an Hunden ist nicht im eingezäunten Bereich, sie laufen frei herum, da es kein Tor gibt das die Hunde aufhalten könnte.
Auf dem ganzen Terrain stehen nur drei alte, marode Wohnwägen und ein Haus, das eine Ruine darstellt ohne Türen noch Fenster.
Als Unterschlupf für die Hunde bei Regen und Kälte gibt es nur ein paar zusammen gezimmerte Hundehäuser ohne Isolation, verrostete Tonnen und ein paar aus Holz gebaute Kisten, auf denen sich ein paar von den Hunden legen können, wenn das Wetter schlechter wird. Bei Regen ist es noch viel schlimmer, in dem Tierheim zu leben, denn der Waldboden verwandelt sich dann in einen Schlammboden.

Marijana und ihre Helfer sind ständig auf dem Sprung und müssen vor allem bei Regen laufend dafür sorgen, dass das Wasser z. B. mit Schiebern abfließen kann. Aber auch sonst gibt es viel zu tun:
Die Hunde werden gefüttert, gestreichelt, versorgt. Es sind momentan ca. 260 Hunde dort! Maijana ist auch ständig mit Hunden beim Tierarzt, der sie untersucht und hilft wo er nur kann. Der Tierarzt Marino ist ein sehr netter Mann der sich auch dem Schutz der Tiere verschrieben hat, somit hilft er den Tierfreunden wo er kann und bekommt viel weniger Geld für seine Arbeit.

Wir sagen hier an dieser Stelle herzlichen Dank an Marino dem Tierarzt und den fleißigen Helfern für deren Hilfe.
Zum Glück für die Tiere stehen viele freiwillige Helfer da, die die Tiere 24 Stunden am Tag auf sei aufpassen.
Da sind Iva, Leo, Maya, Swirna, Mr and Mrs Mustac, Cvit, Andjela, Diana, Srecko, Hrvoje, Tomislav, Laura….
Alle packen mit an, die Eltern von Maijana achten auf die fast 30 Katzen und die kranken Tiere, die sie bei sich zu Hause untergebracht hat.
Die meisten Hunde sind sehr freundlich, sozial, begrüßen einen freudig, nehmen jede Streicheleinheit als Geschenk und bei den Leckerlie kann man nicht schnell genug sein, so umringt wird man. Es gibt auch behinderte Hunde, oder verletzte Hunde wie z.B. Paulchen oder Smily (auf unserer Homepage).

Die nächsten Tage haben wir die Hunde fotografiert, Berichte zu den Tieren geschrieben und alles recherchiert, was es um das Tierheim an Wissen gab. Bitte lesen Sie dazu auch unter „Hilfsprojekte" auf unserer HP.

Jürgen und Gabi haben sich dann noch speziell Paulchen angenommen, da er zwei gebrochene Beine hatte. Ute hat sich zweier Hunde (Pinki und Minni) angenommen und Nell kam mit mir, da sie auch ganz arg schlimm aussah.
So konnten wir schon einen winzig kleinen Teil dazu beitragen, dass es ein paar Tierchen in Deutschland besser gehen sollte.

Mit vielen Eindrücken sind wir von der Reise nach Kroatien nach einer Woche zurückgekommen und für uns alle steht fest, dass wir diesem Tierheim und den Tierschützern vor Ort auch zukünftig helfen werden.

Anja Thalmann

PS: Leider hat es Pinki nicht geschafft und wir denken jetzt an dich kleiner Mann…



Reisebericht Lindau/Kaposvár vom 02 - 05. Mai

Am 2. Mai 2007 starten wir zu dritt (Ines, Bianca und Ute) unseren ersten Ungarnbesuch in einem ungarischen Tierheim. Wir wollten nicht nur unsere neuen Mitstreiter in Ungarn und das Tierheim dort kennen lernen, es steht zusätzlich ein Termin beim Bürgermeister der 68.000-Einwohner-Stadt Kaposvár (45 km unterhalb des Plattensees) auf dem Programm, was ein offizieller Brief an den Bürgermeister von Kaposvár möglich gemacht hat.

Unsere Reise:
Regen ist ein häufiger Begleiter in diesen 3 Tagen, trotzdem verläuft die Fahrt problemlos, nach etwa 12 Stunden sind wir am Ziel.

Ziel erreicht:
Das Tierheim ist in einem erbärmlichen Zustand, provisorisch an allen Ecken und Enden. Ein unwegsamer Weg führt in den Wald hinein zum Tierheim, die rostigen schiefen Tore stehen immer offen und Leute haben Massen an Müll direkt davor abgelegt - was den ansässigen Ratten dort gut gefällt.
Helfer gibt es nur wenige: die 2 Schwestern Margit und Brigitta mit Freund Janosch, deren Mutter und einige wenige andere Helfer sind die Hauptakteure – und sie leisten eine Menge.
Der Boden verwandelt sich bei Regen in Schlamm, viele Hunde sitzen in fensterlosen dunklen Zwingern, andere ohne Rückzugsmöglichkeit jeder Witterung ausgesetzt, ein paar aus Platzmangel sogar in Käfigen. Schlösser gibt es keine, oft werden Türen mit alten Gürteln verschlossen, Holzpaletten werden zu Türen umfunktioniert, eine Leine muss gleichzeitig als Halsband dienen, wenn ein Gang zum Tierarzt ansteht.
In erfinderischer Not ist nahezu alles improvisiert. Brigi und Margit erzählen uns ganz glücklich, dass sie seit November 2006 Wasser und Licht (sprich: ein alter Brunnen und eine trübe Lampe) haben im Tierheim Kaposvár. Vorher haben die beiden zierlichen Frauen Wasserkanister und Futterkübel auf dem Rücken für die 130 Hunde den Waldweg zum Tierheim hochgeschleppt. Da wir den Weg jetzt auch kennen sind wir einigermaßen entsetzt und man kann vor dem Einsatz der Helferinnen nur den Hut ziehen.

Mit diesen Eindrücken machen wir uns auf zu unserem Termin beim Bürgermeister (herzlichen Dank an Brigis und Margits liebe Mama, bei der wir uns in frische Kleidung pellen und mit Leckereien stärken konnten!).

Der Termin findet im Rathaus der Kleinstadt statt, bei der Gelegenheit kann man ein sehr positives Bild von der Stadt gewinnen, die sich die Blumenstadt nennt.
Erika übersetzt die Unterhaltung mit dem sympathischen und zu unserer großen Freude tierlieben Bürgermeister. Dieser sichert uns zu, dass beim nächsten Mal, wenn wir kämen der holprige Weg befahrbar gemacht sein würde und für unsere geplanten Baumaßnahmen würde er Reste öffentlicher Bauarbeiten zur Verfügung stellen. Das Tierheim erhielt zudem Standortgarantie, die bis dato unsicher war.
Glücklich auf ein offenes Ohr des Bürgermeisters gestoßen zu sein, verlassen wir das Rathaus voller Hoffnung, die Situation für die Hunde in absehbarer Zeit wirklich verbessern zu können.

Abends fahren wir zurück an den Plattensee, wo wir für eine Nacht Quartier bei Hans auf seiner Virginia Western Ranch beziehen (siehe auch unsere Rubrik "Urlaubsangebote/Urlaub mit dem Hund" auf unserer homepage). Auf dieser gemütlichen Ranch mit all den Pferden, Katzen, Hunden, Ziegen, Hasen und allerhand mehr fühlt man sich sofort wie im Urlaub. Mit einem Grillabend am offenen Kamin und jeder Menge Pläne geht der Abend zu Ende.

Der letzte Tag bricht an an!
Heute haben wir mehr Zeit für das Tierheim und seine Insassen und so werden wir auch Zeuge der „Leckeren Mahlzeit“ für die Hunde:

In weißen Plastikfässchen werden Essensreste einer Schule geholt - sofern keine Ferien sind oder es auch mal nichts aus den Kantinen gibt -. Heute gibt es eine wässrige Gulaschsuppe, ziemlich inhaltslos, daher wird noch altes Weißbrot darin aufgeweicht. Janosch schnuppert jedes Fass auf Verdorbenheit ab.
Dass die Tierheiminsassen ziemlich lustlos dreinblicken kann man sich sicher lebhaft vorstellen…
Wir laufen ein wenig das Gelände ab, wobei wir ein paar Ratten von dem Kübel mit Knochen aufscheuchen.
Brigi und Margit versuchen täglich mit den Hunden einen Waldspaziergang zu machen; es vergeht jedoch geraume Zeit, bis man 130 Hunde weitgehend zwingerweise abgeklappert hat.
Was uns beeindruckt: die jungen Frauen rufen und die Hunde kommen und laufen frei ohne Leine mit.
Bilder zum Tierheim gibt es auf unserer HP unter [Projekte] (1).

Der Aufbruch:
Die Boxen für die 10 Wauzis, die mit uns Ungarn verlassen können werden aufgebaut. Sie werden gezurrt und gesichert, die fellnasigen Insassen hineinkomplimentiert, Brigi, Margit und ihre Ma versorgen uns noch mit Imbiss und einer stattlichen Flasche Kaffee und los geht’s!

Auf die Zwischenfälle mit der ungarischen Grenzkontrolle wollen wir an dieser Stelle nicht näher eingehen, jedoch empfiehlt sich der Grenzübergang "Heiligenkreuz" wärmstens, wenn man eine drohende Verhaftung wegen illegalen Grenzübertritts zuverlässig vermeiden möchte.
Wenigstens hat sich unter den Grenzkontrolleuren in dieser Nacht verbreitet, dass Deutsche ihre Hunde mit Vorliebe als 'Maus' bezeichnen.

Bianca Markotschi